Düngeverordnung: Wozu teure und schwere Technik, wenn's auch einfach und kostengünstig geht?  Interview mit Dr. Stefan Thiemann zur Güllebehandlung mit Pflanzenkohle.

Ab 2025 müssen Landwirte auf Grünland ihre Gülle mit aufwendiger Technik bodennah ausbringen. So sollen Ammoniak- und Nitratbelastungen gesenkt werden. Äußerst kritisch äußerte sich Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger auf der Agrarschau Allgäu: Die bodennahe Gülleausbringung tauge nichts für die Praxis und treibe im bergigen Allgäu die Bauern in den Ruin. Doch die Düngeverordnung lässt auch einfache und kostengünstige Alternativen zu.

Güllebehandlung mit Pflanzenkohle ein Ausweg aus der Düngeverordnung?

Bevor der Einsatz großer und schwerer Maschinen befürwortet wird, müssen Alternativen berücksichtigt werden. Untersuchungen der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft in Hessen zeigen, dass eine Güllebehandlung deutlich mehr Ammoniak reduzieren kann, wie die bodennahe Ausbringungstechnik. Vor allem, weil die Reduktion schon im Stall beginnt. Mit verschiedenen Rezepturen (z.B. Leonardit, Pflanzenkohle und Gesteinsmehl) oder auch nur mit Pflanzenkohle wurde die Reduktion nachgewiesen.

Viele Landwirte setzen inzwischen Pflanzenkohle zur Güllebehandlung ein und geben den Untersuchungen recht. Pflanzenkohle bindet Nährstoffe, wie z.B. auch den Stickstoff. Ist dieser gebunden, kann sich weniger Ammoniak bilden. Sowohl in der Güllegrube wie auch beim Ausbringen entstehen so deutlich weniger Verdunstungs- und Auswaschungsverluste – die Nährstoffe kommen in den Boden und sind pflanzenverfügbar anstelle in die Atmosphäre oder ins Grundwasser zu gelangen! Nebenbei stinkt die Gülle deutlich weniger.

Warum also teure und schwere Technik einsetzen, wenn es auch einfach und kostengünstig geht?

Wenig bekannt: Die Düngeverordnung erlaubt auch Alternativen zur bodennahen Ausbringung!

Lässt sich die Pflicht zur bodennahen Gülleausbringung so einfach wieder vom Tisch bekommen? Hierzu äußerte sich Wirtschaftsminister Aiwanger in einem Interview:

Bayern könne das leider nicht alleine entscheiden, würde aber im Bund in Europa seinen Einfluss geltend machen, das hier nachgebessert wird. Praxisversuche sollten ferner hinterfragen, ob bei den bisherigen Ausbringungstechniken die Ammoniakausgasungen wirklich so hoch wären wie oft dargestellt.

Das ist wenig. Und warum die Verantwortung nur nach Berlin und Brüssel schieben? Der Freisstaat Bayern kann bereits unmittelbar etwas tun.

In der Düngeverordnung ist nämlich ausdrücklich festgelegt, anderen emissionsmindernden Verfahren den gleichen Stellenwert einzuräumen wie der streifenförmigen oder schlitzenden Ausbringtechnik. Und das wäre auch Ländersache.

 

Bayern könnte in der Umsetzung der Düngeverordnung ein Vorbild sein!

So heißt es in Paragraf 6 Absatz (3) der Düngeverordnung klipp und klar: »Die nach Landesrecht zuständige Stelle kann [...] genehmigen, dass die [...] Stoffe mittels anderer Verfahren aufgebracht werden dürfen, soweit diese anderen Verfahren zu vergleichbar geringen Ammoniakemissionen [...] führen.«

Doch bislang wurde nicht definiert, welche Verfahren die entsprechende Anerkennung bekommen können. Bayern könnte hier ein Vorreiter sein!

"Der Freistaat wäre hier gefordert, die eindeutig emissionsmindernde Wirkung von Pflanzenkohle als wissenschaftlich belastbare Empfehlungen an die landwirtschaftliche Praxis weiterzugeben und auch formal zu genehmigen", so Stefan Thiemann vom Biomassehof Allgäu.