Noch ist nichts fest. Aber das Projekt geht in der Planungsphase. Doch auch ohne einen vielleicht möglichen Grundstücksverkauf an die bekannte Gärtnerei Kutter ändern sich beim Biomassehof Allgäu derzeit mehrere Dinge entscheidend. In einem Gespräch mit Gerald Härtlein erläutert Biomassehof Vorstand Peter Schweinberg die strategischen Hintergründe, die über einen möglichen Grundstücksverkauf hinausgehen.

"Wir hatten schon lange die Vision, dass neben dem Biomassehof ein grünes Gewerbegebiet entstehen soll. Ein Autohändler oder ein Mineralölhändler wären da nicht stimmig. Als nun 'Pflanzen Kutter' in Kempten ein Grundstück suchte, war das eine einmalige Chance. Pflanzen und Biomasse passen einfach zusammen."

Biomassehofvorstand Peter Schweinberg

Herr Schweinberg, wie ist der Stand der Dinge?

"Seitens Kutter besteht ein sehr großes Interesse am Standort Kempten zu bleiben. Die Stadt Kempten hat hier aber klar das letzte Wort. Sie prüft derzeit bei uns ein Gewerbegebiet unter Berücksichtigung des Landschaftsschutzes auszuweisen."

Muss die Genossenschaft Grund verkaufen?

"(Lacht) Keine Sorge, der Biomassehof schreibt im täglichen Geschäft schwarze Zahlen und hat eine Eigenkapitalquote von dem viele Unternehmen nur träumen. Wir konnten selbst auf dem Pelletmarkt zugelegen. Und das, obwohl dieser seit drei Jahren wegen den niedrigen Ölpreisen stagniert und überall Überkapazitäten herrschen. Das wurde auch auf der letzten Generalversammlung unserer Genossenschaft äußerst positiv zur Kenntnis genommen."

Warum wollen Sie dann das Grundstück dennoch verkaufen?

"Wir hatten schon lange die Vision, dass neben dem Biomassehof ein grünes Gewerbegebiet entstehen soll. Ein Autohändler oder ein Mineralölhändler wären da nicht stimmig. Als nun Pflanzen Kutter in Kempten ein Grundstück suchte, war das eine einmalige Chance. Pflanzen und Biomasse passen einfach zusammen. Aber es passt nicht nur thematisch."

Sondern?

"Denken Sie nur einmal an die Koppelungsgeschäfte. Mit den Laufkunden von Pflanzen Kutter rückt der Biomassehof nun endgültig ins Rampenlicht. Wer bei Kutter für seinen Garten und Haus kauft, findet dazu beim Biomassehof passend Rindenmulch, Brennholz aus der Region und wer weiß demnächst auch Grillbedarf."

Wie wollen Sie das Geld vom Grundstücksverkauf reinvestieren?

"Wir hätten eine solide Rücklage für schlechtere Zeiten. Denn das Geschäft mit Holzbrennstoffen wird immer unabwägbarer. Als Folge des Klimawandels gibt es immer häufiger wärmere Winter. Oder auch schon mal einen klirrend kalten Winter. Da hilft es nur, dass der Biomassehof wetterunabhängig auf mehreren Standbeinen steht. Aber Diversifizierung kostet Zeit und Geld. Wir hätten auch zusätzliche Mittel um unsere beiden neuen Geschäftsfelder noch besser etablieren zu können."

Was sind denn die neuen Geschäftsfelder?

"Selbstverständlich bleiben wir bei Biomasse und Nachhaltigkeit. Seit Neuestem bietet der Biomassehof für Landwirte Pflanzenkohle. Das ökologische Einsatzpotenzial von Pflanzenkohle für eine nachhaltigere Landwirtschaft ist enorm. Sei es als Stalleinstreu, Futterkohle oder bei Biogasanlagen. Pflanzenkohle kann aber auch bestens zur Bodenverbesserung im eigenen Garten oder als Futterzusatz für Haustiere eingesetzt werden. Und hier sind wir wieder beim Thema Koppelungsgeschäfte, die nun mit Kutter möglich wären."

Und das andere neue Geschäftsfeld? Sie wollen demnächst auch in dem Holzhausbau einsteigen?

"Sind wir bereits. Zusammen mit Architekten und Zimmereibetrieben errichtet der Biomassehof derzeit neben seinem Pelletwerk bei Landsberg eine Hightech-Fertigungslinie für Massivholzmauern. Dort werden nur heimische Hölzer verarbeitet. Die Massivholzmauer ist das weltweit beste Baussystem für Holzhäuser. Auch hier wäre die Laufkundschaft von Pflanzen Kutter ein Traum, um das auch bekannt zu machen. Vielleicht im Rahmen eines kleinen Ausstellungspavillons, der aus Massivholzwänden errichtet wird."