2025 gilt die neue Gülleverordnung. Landwirte sollen mit bodennaher Ausbringungstechnik die Umweltbelastungen durch Überdüngung senken. Was arbeits- und kostenaufwendig ist. Kleine und mittelgroße Betriebe bangen um ihre Existenz. Für sie kann Pflanzenkohle ein Ausweg sein, um Ammoniakausdünstungen und Nitratbelastungen wirksam zu senken: Die Gülleverordnung lässt das kaum beachtete "Hintertürchen Güllebehandlung" offen. Die Landwirte müssen es nur betreten. Und zeigen, dass es so auch geht!

Güllebehandlung mit Pflanzenkohle statt bodennaher Gülleausbreitung

Viele wissenschaftlichen Veröffentlichungen zeigen, dass eine Güllebehandlung fast immer effektiver ist, als mit einem hohen technischen Mehraufwand eine bodennahe Gülleausbreitung zu betreiben! Untersuchungen über "Pflanzenkohle als Güllezugabe" belegen neben dem Rückgang der Ammoniakemissionen und der Nitratauswaschungen weitere positive Wirkungen auf Gülle, Boden, Wasser und Luft!

  • So beschreibt das "Journal für Ökologie, Weinbau und Klimafarming" (Ithaka) in verschiedenen Studien die Vorteile und positiven Effekte der Güllebehandlung durch Pflanzenkohle.
  • Die positiven Effekte sind so herausragend, dass in verschiedenen Zeitschriften das Thema Güllebehandlung durch Pflanzenkohle aufgenommen wurde, wie z.B. in agrarheute oder in PROVIEH.
  • Zudem belegen die praktischen Erfahrungen im Oberallgäu, dass die Güllebehandlung durch Pflanzenkohle tatsächlich funktioniert. Lesen Sie hierzu den Bericht von Herrn Tobias Ruppaner.

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Güllebehandlung mit Pflanzenkohle

Wie wird Pflanzenkohle zur Güllebehandlung eingesetzt?

Das sollten Sie tun:

  • Pro 1 m³ Gülle zwischen 2 und 4 kg Güllekohle in die Gülle einrühren.
  • Diese sollte dann mindestens 4 Wochen in der Gülle bleiben, bevor beides zusammen ausgebracht wird. Ein vorheriges Ausbringen kann zu negativem Effekt auf den Wiesen und Äckern führen, da die Pflanzenkohle zwingend erst mit Nährstoffen „aufgeladen“ werden muss!
  • Schon kurz nach dem Einrühren in die Gülle erleben Sie ein Wunder für die Nase: Nach nur wenigen Tagen reduziert sich der Geruch der Gülle erheblich – ein Anzeichen für deutlich reduzierte Ammoniakausdünstungen!

Was wir wissen

Der Güllegeruch hängt direkt zusammen mit den Ammoniakausdünstungen. Diese entstehen, wenn das Enzym Urease den Harnstoff des Urins in Ammoniak und Kohlendioxid aufspaltet. Das leicht flüchtige Ammoniak verdunstet also schon in Stall, in der Güllegrube und letztendlich auf den Wiesen und Äckern. Pflanzenkohle kann zur Behandlung direkt in die Gülle eingerührt werden, effektiver ist jedoch diese schon im Stall den Tieren zuzufüttern und in die Einstreu zu geben.

Informationen zur neuen Gülleverordnung

Ist die neue Düngeverordnung Mist?

Mit der neuen Düngeverordnung soll eine geringere Umweltbelastung durch Überdüngung erreicht werden, insbesondere im Hinblick auf Ammoniakausdünstung oder Nitratauswaschung. Die Ansätze wie Sperrzeiten und neue Ausbringungstechniken zielen alle darauf ab, weniger Gülle auf die Flächen zu bringen und Nährstoffverluste zu reduzieren. Allerdings ist die Effizienz dieser Maßnahmen erstaunlich unzureichend belegt.

Aufwendig und fragwürdig: Die von der Gülleverordnung gewollte bodennahe Gülleausbreitung via Schleppschuh.

Bodennahe Ausbringungstechniken werden massiv überschätzt!

Studien aus Holland belegen, dass die Ammoniakreduktion durch bodennahe Ausbringungstechniken massiv überschätzt wurde. Siehe hierzu die wissenschaftliche Veröffentlichung von Prof. Hanekamp (University College Roosevelt, Niederlande). Hier wird ganz klar formuliert, dass die bodennahe Ausbringung via Schlitzverfahren nicht zu der gewünschten Reduktion der Ammoniakemissionen geführt hat!

"Die Wirksamkeit neuer Ausbringungstechniken ist nur unzureichend belegt. Auch bleiben Nebeneffekte unberücksichtigt. So wurde mir berichtet, dass es bei oberflächennahem Grundwasser sehr leicht zur Verunreinigung dieses Grundwassers kommt. Wird zum Beispiel mit Schlitztechnik Gülle ausgebracht, wird diese mehr oder weniger direkt ins oberflächennahe Grundwasser gepumpt. Untersuchungen,wie sich die scharfe Gülle auf das Erdreich und die darin vorkommenden Mikroben, Pilze und Bakterien auswirkt, fehlen. Es gibt inzwischen verschiedenste Hinweise, dass durch die bodennahe Ausbringung es zu einem flächenhaften Absterben der Bodenflora und -fauna kommt!"

Dr. Stefan Thiemann

Gülleverordnung erlaubt explizit "Hintertürchen" Güllebehandlung

Auch wenn die neue Gülleverordnung Methoden zur Güllebehandlung (um von vorneherein Ammoniakausdünstungen und Auswaschungen zu verhindern) noch unzureichend beachtet. Sie erlaubt diese explizit! Wörtlich heißt es:

§ 6 „Zusätzliche Vorgaben für die Anwendung von bestimmten Düngemitteln“

Satz 3 „Flüssige organische und flüssige organisch-mineralische Düngemittel, einschließlich flüssiger Wirtschaftsdünger, mit wesentlichem Gehalt an verfügbarem Stickstoff oder Ammoniumstickstoff dürfen im Falle von bestelltem Ackerland ab dem 1. Februar 2020 nur noch streifenförmig auf den Boden aufgebracht oder direkt in den Boden eingebracht werden. Im Falle von Grünland, Dauergrünland oder mehrschnittigem Feldfutterbau gelten die Vorgaben nach Satz 1 ab dem 1. Februar 2025.

Die nach Landesrecht zuständige Stelle kann abweichend von den Sätzen 1 und 2 genehmigen, dass die in Satz 1 genannten Stoffe mittels anderer Verfahren aufgebracht werden dürfen, soweit diese anderen Verfahren zu vergleichbar geringen Ammoniakemissionen wie die in Satz 1 genannten Verfahren führen.

Die nach Landesrecht zuständige Stelle kann ferner Ausnahmen von den Vorgaben der Sätze 1 und 2 genehmigen, soweit deren Einhaltung und eine Aufbringung mittels anderer Verfahren im Sinne des Satzes 3 auf Grund der naturräumlichen oder agrarstrukturellen Besonderheiten des Betriebes unmöglich oder unzumutbar sind. Ein Ausnahmefall nach Satz 4 liegt insbesondere vor, wenn ein Einsatz der für die Einhaltung der Vorgaben erforderlichen Geräte aus Sicherheitsgründen ausscheidet.

Schaffen Sie hier als Landwirt Fakten!

Es gibt allerdings in der Gülleverordnung noch keine eingetragenen Zusatzstoffe, die nachweislich vergleichbar geringe Ammoniakemissionen herbeiführen, wie die geplanten Ausbringungstechniken es vorsehen. Setzen Sie Pflanzenkohle zur Güllebehandlung ein und greifen Sie der Düngeverordnung zuvor. Nur so können wir zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft mit einem wirklich funktionierenden Stickstoffkreislauf kommen, bei dem wir auch Böden und Gewässer vor Belastungen schützen.

Der Biomassehof Allgäu berät und unterstützt Sie!

Wie kann nun ein Vergleich zur Ammoniakreduktion zwischen den in der Gülleverordnung geforderten Ausbringungstechniken und einer Güllebehandlung stattfinden, wenn es kaum belastbaren Daten gibt? Dieser Frage geht der Biomassehof Allgäu zurzeit nach. Wir versuchen zurzeit mit der Bayrischen Landesanstalt für Landwirtschaft genau hier anzusetzen und ein Forschungsprogramm ins Leben zu rufen und noch vor 2025 zu Ergebnissen zu kommen! Zusätzlich stehen wir mit Herrn Alfred Enderle, dem Bezirkspräsidenten des Bezirksverbandes Schwaben in Kontakt, um gemeinsam zum Thema Güllebehandlung durch Pflanzenkohle weiterzukommen.

Haben Sie Fragen zum Einsatz von Planzenkohle in der Landwirtschaft?

Der Biomassehof Allgäu berät Sie. Rufen Sie unseren Experten Dr. Stefan Thiemann an:

Tel.:+49-(0)831-540273-116

stefan.thiemann@biomassehof.de

Wissenswertes zu Gülle

Warum stinkt Gülle?

„Der überwiegende Anteil des Stickstoffs in der Gülle liegt in Form von Harnstoff vor. Durch die Aktivität des Enzyms Urease wird Harnstoff in Ammoniak und CO2 (bzw. zu Ammonium + CO3) umgewandelt. Das Enzym Urease befindet sich sowohl im Tiermagen als auch in der Güllegrube und im Boden, so dass der Abbauprozess des Harnstoffs quasi kontinuierlich ablaufen kann. Während im Boden die Umwandlung in den wichtigen Pflanzennährstoff Ammonium erwünscht ist und überhaupt erst die Düngewirkung ermöglicht, bedeutet die Umwandlung in der Güllegrube den Verlust des Stickstoffs und nicht zuletzt den beißenden Gestank.“ (Quelle)

Wieviel Gülle fällt an?

Pro Jahr produziert eine Kuh durchschnittlich 20 m3 Gülle und Schweine rund 1,5 m3. Ein landwirtschaftlicher Betrieb muss nach der Düngeverordnung genügend Lagerkapazität nachweisen, damit die anfallende Gülle mindestens 6 Monaten lagern kann. Insbesondere bei den langen Wintermonaten ist dies notwendig.

Was ist das Besondere an Gülle?

Gülle ist ein Dünger und kein Abfallstoff! Ohne Gülle kann unsere intensiv genutzte Landschaft nicht das nötige Pflanzenwachstum für unsere Landwirtschaft hervorbringen. Insbesondere Stickstoff und Phosphat sind für ein gutes Pflanzenwachstum nötig. Während einige Kulturpflanzen Stickstoff aus der Atmosphäre binden können, auch bekannt als Leguminosen (z.B. Klee oder Bohnen), vermögen andere dies nicht und sind auf Dünger und natürlichen Stickstoff produzierende Prozesse im Boden angewiesen. Phosphor dagegen ist kaum verfügbar und wird in der Regel künstlich hinzugefügt. Jedoch sind die Phosphorlager der Erde endlich. Umso wichtiger ist es, natürlich vorkommenden Phosphor effektiver zu nutzen und in Stoffkreisläufen zu erhalten. Hier kommt die Gülle ins Spiel, da in ihr Phosphor in vergleichbar hohen Konzentrationen vorkommt.

Tabelle: Nährstoffe (Durchschnitt) in Schweine- und Rindergülle (Quelle: Landwirtschaftskammer)

 

Nährstoff

Mastschweinegülle

Milchvieh- und Rindergülle

Stickstoff (Gesamt-N)

4-7 kg/m³

3-5 kg/m³

davon - Ammonium-N (NH4) -

3,5-5 kg/m³

2-2,5 kg/m³

Phosphat - P2O5 -

2-4 kg/m³

1-2 kg/m³

Kalium - K2O -

3-5 kg/m³

4-5 kg/m³

Magnesium - MgO -

1-2 kg/m³

1 kg/m³

Die in der Tabelle aufgeführten sowie weitere Nährstoffe sind in der flüssigen Gülle gelöst und damit sehr mobil. Hinzu kommen in der Gülle organische Substanzen und Mineralstoffe, abhängig von Tierart, Fütterung sowie Dauer und Art der Güllelagerung. Jedoch sind alle Güllevarianten ein hochwertiger Dünger (mit Nebenwirkungen!).

Wichtigster Bestandteil für die Pflanzen ist Stickstoff, der in der Gülle in verschiedenen Formen vorkommt. Auf der einen Seite als Ammonium-Stickstoff und damit für die Pflanzen sofort verfügbar, auf der anderen Seite als organisch gebundener Stickstoff, der erst in pflanzenverfügbaren Stickstoff umgewandelt werden muss. Diese Umwandlung erfolgt über Ammonium und Nitrat. Nicht sämtlicher organisch gebundener Stickstoff wird umgewandelt, der nicht umgewandelte Anteil trägt essentiell zum Humusaufbau teil und ist somit sehr wichtig für unsere Böden.

Wann wird am meisten Gülle benötigt?

Die meiste Gülle wird im Frühjahr ausgefahren. Dies liegt zum einen an den vollen Güllelagern, zum anderen wird mit Vegetationsbeginn im Frühjahr und dem damit verbundenem starken Wachstum viel Nährstoff benötigt. Pflanzen verwerten hier die verfügbaren Ammonium-Stickstoffverbindungen am besten. Im Grünland werden auch Nährstoffe nach jedem Schnitt benötigt, sodass hier mehrere Ausbringungsphasen im Jahr stattfinden. Nicht aufgenommene Nährstoffe werden entweder ausgewaschen oder tragen zum Humusaufbau bei. So ist eine ausgeglichene Gülleausbreitung ausschlaggebend für Pflanzen und Boden und Naturschutz.