Gülle: In der konventionellen Landwirtschaft "zu viel". Doch beim Bioland-Bauern "viel zu wenig". Der ist darauf angewiesen, was sein Stall so hergibt und darf keine wasserlöslichen N+P Dünger verwenden. Vor Ort konnte sich Pflanzenkohleexperte Dr. Thiemann vom Biomassehof überzeugen, dass Pflanzenkohle auch optisch sichtbar die Düngewirkung der Gülle in der Grünlandwirtschaft steigert.

"Warum stinkt bei Ihnen die Gülle nicht?"

Grünfläche, gedüngt mit Pflanzenkohle-Gülle: Herr Ruppaner mäht 3-4 mal pro Jahr. Dadurch wird eine hohe Biodiversität erreicht. Auf seinen Grünflächen waren rund 25 verschiedene Gräser, Kräuter und Leguminosen zu finden!

Grünflächen ohne Pflanzenkohle-Gülle sehen dagegen deutlich weniger „bunt“ aus. Auf dieser Vergleichsfläche waren nur sieben verschiedene Sorten zu finden.

Dr. Stefan Thiemann besuchte Ende Juni den Biobetrieb „Ruppaner“ in Waltenhofen. Zusammen mit anderen Biobauern wurde der Einsatz von Pflanzenkohle für die Veredelung von Gülle diskutiert und landwirtschaftliche Grünflächen untersucht. Herr Tobias Ruppaner erklärte, dass es seit fünf Jahren Pflanzenkohle und Gesteinsmehl in seine Gülle mischt und damit nicht nur hervorragend wachsende Grünflächen heranziehen konnte, sondern auch immer wieder darauf angesprochen wird, warum seine Gülle nicht stinke.

Insbesondere die Frühjahrsgülle von Tobias Ruppaner ist fast geruchslos – zum Einen werden Schleimstoffe durch die lange Verweildauer der Gülle in der Grube besser und Eiweiße durch die niedrigeren Wintertemperaturen weniger stark abgebaut. Auch wirkt die Pflanzenkohle durch die lange Verweildauer wesentlich effektiver in der Gülle. Hingegen berichtet Tobias Ruppaner, dass die Gülle des Spätsommers und Herbst hingegen leicht riecht – aber immer noch deutlich weniger als nicht behandelte Gülle!

 

Greifbare Vorteile - nicht nur für Biolandwirte!

Pflanzenkohle absorbiert die verfügbaren Nährstoffe (Ammonium, Nitrat, Stickstoff, Phosphat) aus der Gülle und gibt sie nach Ausbringung über einen langen Zeitraum langsam an die Pflanzen ab.

Sie wirkt so wie ein Puffer für pflanzenverfügbare Nährstoffe und ermöglicht so ein kontinuierliches Wachstum. In Trockenphasen stellt die Pflanzenkohle zudem Wasser zur Verfügung, das sich vorher eingelagert hat. Aufgrund der hohen mikroskopischen Oberfläche der Pflanzenkohle siedeln sich zudem Pilze und Bakterien an, die den Humusaufbau unterstützen! Je artenreicher ein Bestand ist, desto stabiler ist dieser auch gegen Schädlinge und Grasrost; zudem steigt die Regeneration der Wiesen bei schlechten Witterungseinflüssen oder hoher Belastung durch Tiertritt.

Landwirte brauchen somit weniger Kunstdünger für das Pflanzenwachstum und können sich ganz auf das verlassen, was ihr Stall so hergibt.