Dr. Stefan Thiemann und Landwirt Armin Högenauer besprechen Güllebehandlung mit Pflanzenkohle

Der Europäische Gerichtshof hat – wie schon erwartet – Klage gegen Deutschland wegen der steigenden Nitratbelastung eingereicht. Es geht im Grundsätzlichen um die steigenden Belastungen des Grundwassers durch Nitrat und dem mutmaßlichen Hauptverursacher, der Landwirtschaft. Deutschland versäumt seit Jahren, aktiv das Problem anzugehen und wir deswegen angeklagt und muss deswegen mit bis zu sechsstelligen täglichen Strafzahlungen rechnen. Die neue Düngemittelverordnung soll das Problem lösen oder zumindest reduzieren – doch sind die Verordnungen ausreichend, oder gar wirksam? Viele Zweifel sind zu hören und sollten ernsthaft beachtet werden. Genauso stellt sich die Frage nach alternativen Möglichkeiten, die Nitratbelastungen zu reduzieren.

 

Pressemitteilung der Biomassehof Allgäu eG

Die Biomassehof Allgäu eG berät seit mittlerweile zwei Jahren Land- und Forstwirtschaft zum Einsatz von Pflanzenkohle zur Güllebehandlung, Tierwohl und Umweltschutz. In der Landwirtschaft und hier insbesondere in der Viehwirtschaft wird Pflanzenkohle in vielen Bereichen eingesetzt: In der Zufütterung wirkt Pflanzenkohle wie Heilerde: Sie entgiftet die Tiere, reduziert Übersäuerung und damit Klauenprobleme und Stress. Euterentzündungen und Zellzahlen in der Milch gehen zurück und damit steigt die Qualität der Milch. Letztendlich wird das Tierwohl langfristig deutlich erhöht und Tierarztkosten sowie Medikamenteneinsatz gehen zurück. Im Stall wird Pflanzenkohle zur Reduktion von Fäulnis und Ausdünstung, wie z.B. von Ammoniak eingesetzt. In die Einstreu gegeben oder dem Schwemmkanal zugeführt nimmt Pflanzenkohle den Urin auf. Mit dem Urin gehen viele pflanzenverfügbar Nährstoffe in die Pflanzenkohle, Bakterien aus dem Kot können sich wesentlich weniger vermehren und der Stall wird hygienischer und vor allem: deutlich weniger Gase treten aus. Letztendlich landet die Pflanzenkohle in der Güllegrube oder auf dem Misthaufen. Wird hier weitere Pflanzenkohle hinzugefügt, wird der Prozess vervollständigt: Pflanzenkohle in der Gülle oder auf dem Mist bindet weitere Nährstoffe wie Phosphat, Stickstoff, Kalium und Magnesium – alles was Pflanzen zum Wachstum benötigen und aus der Pflanzenkohle heraus dann auf dem Feld erhalten. Durch die Bindung der Nährstoffe reduzieren sich die Fäulnisprozesse in der Güllegrube und es kommt zu deutlich weniger Ausgasungen. Weniger Ausgasungen heißt, weniger Gestank (insbesondere der durch Ammoniak) und das heißt wiederum weniger Verluste von Nährstoffen.

Was hat das nun mit der neuen Düngemittelverordnung zu tun?

Die neue Düngemittelverordnung zielt unter anderem auf diese beiden Aspekte: weniger Ammoniakausdünstungen und weniger Stickstoffaustrag (z.B. in Form von Nitrat). Beides dient dem Schutz der Umwelt und sollte entsprechend positiv bewertet werden. Jedoch stellt sich die Frage nach der praktischen Umsetzung und deren tatsächlichen Nutzen. Während die Reduktion von Stickstoff und der damit verbundene Wasserschutz, Stichwort Nitrat, durch neue Berechnungen wie die 170 N Regelung und neue Sperrzeiten erreicht werden soll, wird versucht die Reduktion von Ammoniakausdünstungen über weitere Mechanisierungen, wie Schleppschuh und andere bodennahe Ausbringungstechniken zu erreichen. Erfahrungen zeigen, dass über diese Verfahren in der Tat die Geruchsbelastungen deutlich zurückgehen. Inwieweit aber Ammoniakemissionen tatsächlich in Summe reduziert werden, wird kontrovers diskutiert. Vieles deutet darauf hin, dass die Reduktionen massiv überschätzt werden, wie Wissenschaftler in Holland aufzeigen. Des Weiteren zeigen Untersuchungen zur Schlitztechnik, wie dadurch Bodenflora- und fauna massiv durch die „scharfe“ Gülle geschädigt werden. Holland rät davon ab, und bei uns soll es eingeführt werden. Wie passt das zusammen?

Die neue Düngemittelverordnung lässt jedoch ein Schlupfloch offen: Initiiert auch vom Bauernverband kann auf die bodennahe Ausbringungstechnik verzichtet werden, wenn eine Güllebehandlung zu ähnlichen Reduktionen der Ammoniakemissionen führt wie bodennahe Ausbringungstechniken. Hier kommt nun die Pflanzenkohle der Biomassehof Allgäu eG ins Spiel: Pflanzenkohle bindet Nährstoffe im Stall und in der Güllegrube oder auf dem Misthaufen. Sind diese Nährstoffe gebunden, kann es nur noch zu reduzierten Ausgasungen kommen, egal ob in der Güllegrube, bei der bodennahen Ausbringung oder klassischen Ausbringungstechniken. Wichtig ist: Stickstoff ist gebunden, kann nicht mehr verdunsten (z.B. via Ammoniak oder Lachgas) und ausgewaschen werden (z.B. als Nitrat), ist aber nach dem Ausbringen für die Pflanzen verfügbar. Eine Gülle wird somit zu einem hochwertigen Dünger veredelt, der Klima, Boden und Gewässer schützt. Um es nicht falsch zu verstehen: Unsere aktuellen Schutzmaßnahmen für die Natur sind damit nicht überflüssig – ganz im Gegenteil! Durch die Zugabe von Pflanzenkohle in Gülle oder Mist kommt ein weiterer Schutz hinzu, der zudem die Landwirtschaft tatsächlich unterstützt.

Wird der Einsatz von Pflanzenkohle zur Güllebehandlung vom Gesetzgeber positiv bewertet, würden nicht nur die gedachten Schutzmaßnahmen aus der Düngemittelverordnung tatsächlich greifen, sondern die Landwirtschaft erfährt einen echten Zugewinn: Weniger Mechanisierung, weniger Kunstdünger, mehr und besserer eigener Naturdünger mit weniger negativen Auswirkungen auf die Umwelt. Die Erfolge einiger Landwirte im Allgäu, Österreich und der Schweiz stärken die Bemühungen der Biomassehof Allgäu eG der Landwirtschaft einen tatsächlich praxisnahen Mehrwert nahe zu bringen. Verschiedene Forschungsprojekte zeigen zudem die tatsächliche Wirkung von Pflanzenkohle und weitere Untersuchungen finden statt, die sich auf die bisherigen positiven Ergebnisse aus Erfahrungswerten stützen.

"Die Wirksamkeit neuer Ausbringungstechniken ist nur unzureichend belegt. Auch bleiben Nebeneffekte unberücksichtigt. So wurde mir berichtet, dass es bei oberflächennahem Grundwasser sehr leicht zur Verunreinigung dieses Grundwassers kommt. Wird zum Beispiel mit Schlitztechnik Gülle ausgebracht, wird diese mehr oder weniger direkt ins oberflächennahe Grundwasser gepumpt. Untersuchungen,wie sich die scharfe Gülle auf das Erdreich und die darin vorkommenden Mikroben, Pilze und Bakterien auswirkt, fehlen. Es gibt inzwischen verschiedenste Hinweise, dass durch die bodennahe Ausbringung es zu einem flächenhaften Absterben der Bodenflora und -fauna kommt!"

Dr. Stefan Thiemann

Zuletzt als Schmankerl obendrauf: Wird Pflanzenkohle in der Landwirtschaft eingesetzt, werden Landwirte zu Klimalandwirten. Eine Tonne Pflanzenkohle bindet ca. 3,6 Tonnen Kohlendioxid aus der Atmosphäre. Da Pflanzenkohlen aus pyrolytischen Herstellungsverfahren erst nach ca. 1000 Jahren zerfallen, werden mit dem Einsatz von Pflanzenkohle echte CO2-Senken geschaffen; vergrößert werden diese Senken durch zusätzlichen Humusaufbau, der durch die Ausbringung von Pflanzenkohle unterstützt wird. Hierfür stellt die Biomassehof Allgäu eG ein besonderes CO2-Plus Einlagerungsprogramm zur Verfügung. Wer hier teilnimmt, bekommt für die aktive Einlagerung von CO2 Geld zurück. So kann die CO2-Emission eines LKW mit 50.000 km jährlicher Laufleistung (ca. 33 Tonnen CO2) von einem Landwirt mit 88 Milchkühen kompensiert werden – setzt dieser Landwirt Pflanzenkohle in der Fütterung und Güllebehandlung ein.