Preise für Holzpellets voraussichtlich stabil

Regional mit Unternehmen verbunden

„Wir gehen davon aus, dass der Preis stabil bleibt“

Martin Eger, Unternehmensentwickler und Projektmanager des Dorr-Biomassehofs, ist Experte für Holzpellets. Im Interview spricht er über die mögliche Preisentwicklung 2021, den Vergleich mit fossilen Brennstoffen und die Vorteile von hoher Qualität.

 

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Herr Eger, wir steigen direkt ein: Wie schätzen Sie die Preisentwicklung für Pellets 2021 ein?

Das ist zwar wie ein Blick in die Glaskugel, aber wir gehen davon aus, dass der Preis – in einer gewissen Bandbreite schwankend – stabil bleibt. Seit es Pellets gibt, waren die Preise saisonabhängig. In den klassischen Heizzeiten sind die Preise etwas höher, im Sommer etwas niedriger.

Martin Eger, Unternehmensentwickler und Projektmanager

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Als Maß hat sich der Tonnenpreis inklusive Lieferung und Einblasen etabliert.  Für einen klassischen Ein-Familien-Haushalt rechnet man mit einer Lieferung von 6 Tonnen.  Für so eine 6-Tonnen-Lieferung lag der Preis im Dezember 2020 in Deutschland durchschnittlich bei etwa 233 Euro pro Tonne, geliefert und eingeblasen. Das waren 9% weniger als im Dezember 2019.

 

Erklären Sie uns, wie sich der Pelletspreis bildet?

Zuerst wie jeder andere Preis über Angebot und Nachfrage. Daneben bestimmen im Wesentlichen zwei Faktoren die Preisentwicklung. Der erste sind die Koppelmärkte, also die Märkte, auf denen der Pellets-Rohstoff auch gebraucht wird. Der zweite Faktor ist die Entwicklung auf dem fossilen Brennstoffmarkt.

In Deutschland haben wir außerdem eine Sondersituation. Es gibt knapp 60 Pelletsproduzenten, die mehr Kapazitäten haben, als benötigt. Wir müssten deshalb eigentlich einen sensiblen und Verdrängungsmarkt haben. In Europa gibt es aber relativ wenig Kapazität. Die entwickelt sich jetzt erst. Also wird ein Großteil der in Deutschland produzierten Pellets in anderen Ländern abgesetzt.

 

Können Sie kurz skizzieren, wie sich die Preise für andere Brennstoffe bilden und wo hier für Verbraucher der Vorteil von Pellets liegt?

Wir stehen in Konkurrenz mit Erdgas und Heizöl. Da ist es ein Spiel der Akteure und der Industrie. Wenn die Industrie lahmt, bleibt gefördertes Öl ungenutzt und crasht den Ölpreis. Am Erdöl hängt das Erdgas als Koppelprodukt, deshalb folgt es zeitversetzt dem Erdölpreis.

Entscheidend ist die Ideologiefrage: Wie nachhaltig oder grün bin ich als Hausbesitzer? Wenn diese Frage keine Rolle spielt, wird man Nutzer nicht überzeugen zu wechseln. Wer auf einen nicht fossilen Brennstoff umsteigen und Förderung nutzen möchte, bekommt mit Pellets einen umweltfreundliches Produkt. Ein Hausbesitzer weiß dann, wo die Pellets herkommen und kann CO2-neutral heizen. Wenn sie die Pellets sogar aus der Region beziehen, ist die Bilanz sogar noch besser.

 

Im Gegensatz zu fossilen Brennstoffen zahlt man in Deutschland auf Pellets keine CO2-Abgabe. Warum?

Holzbrennstoffe sind von der Abgabe befreit, weil sie nur das CO2 freisetzen, das der Baum beim Wachstum aus der Luft aufgenommen hat. Für 2021 sind Pellets in jedem Fall von der Abgabe befreit.

 

Für Pellets gilt bei uns auch der ermäßigte Steuersatz.

Ja, das wurde vom Gesetzgeber definiert. Demnach sind Holzpellets unverarbeiteter Rohstoff, der kein Abfall ist, sondern für die Energiegewinnung genutzt wird.

 

Warum unterscheiden sich Holzpellets im Preis und wie erkenne ich gute Qualität?

Das ENplus-Siegel hat sich in Europa durchgesetzt und gibt als Norm ein Mindestmaß vor. Wenn Verbraucher nach ENplus-Ware suchen, gehen sie davon aus, dass alle Produkte die gleiche Qualität haben. Das ist aber nicht zwingend so. Günstige Pellets erfüllen die Norm nur so gerade eben. Große Produzenten erzeugen außerdem über ihre Menge einen künstlichen Preis mit künstlicher Nachfrage.

Wir stehen dem als kleines Werk mit einem hohen Qualitätsanspruch gegenüber. Wir produzieren nach A1-Standard, das ist der höchste, den es gibt. Solche hochwertigen Pellets sind natürlich teurer.

 

Stichwort Heizungswartung: Sind hochwertige Pellets am Ende „günstiger“, weil sie meine Heizung schonen?

Heizungsbesitzer merken schnell, wie sich die Pelletsqualität auf ihre Anlage auswirkt. Je höher die Qualität, umso weniger Staub, Asche und Wartungsaufwand fallen an. Der bessere Heizwert führt außerdem zu besserer Heizleistung. Entscheidend ist auch, wie sorgsam beim Einblasen mit den Pellets umgegangen wird. Das kann schnell gehen, sorgt aber für mehr Abrieb oder Bruch.

Wir sind zwar immer etwas teuer als der Marktpreis gemittelt darstellt. Aber wenn ein Kunde bei uns für die 6T-Lieferung 3 Euro pro Tonne mehr bezahlt, also 18 Euro, dann spart er dafür Reinigungs- und Lagerkosten, die sicher höher ausfallen würden.

 

Wie sehen Sie die Kosten für Pellets und eine Pelletsheizanlage im Vergleich mit anderen alternativen Energien?

Das lässt sich nicht pauschal sagen, weil es von vielen Faktoren abhängt. Wo baue ich? Was baue ich? Wo ist die Heizung? Gibt es einen Keller? Wenn nicht, fehlt der Lagerraum. Deswegen kommen mit vielen Energiesparstandards auch Luftwärmepumpen, Erdwärme und andere Alternativen infrage. Wer wenig Heizenergie braucht, weil die Dämmung schon so gut ist, kann sich auch mit Sonnenenergie versorgen.

 

Wie lange kommt ein Haushalt mit einer Pelletslieferung aus?

Um es anschaulich zu machen: Anstelle von 1 Liter Heizöl brauche ich 2 Kilogramm Pellets. Vom Volumen ist das der doppelte Bedarf. Der Raum für den Heizölvorrat ist in der Regel aber vom Platz ausreichend, um eine Pelletslieferung unterzubringen.

Wie lange eine Lieferung hält, hängt von sehr vielen und individuellen Faktoren ab. Ist es ein Alt- oder Neubau, ist das Gebäude energetisch saniert usw. Für einen Neubau oder energetisch sanierten Altbau ist die 6-Tonnen-Lieferung oder eine komplette LKW-Lieferung mit 26 Tonnen üblich. Das Lager eines Einfamilienhauses ist normalerweise für eine Jahreslieferung ausgelegt. Wer im Sommer noch ein halbvolles Lager auffüllen will, kann das auch machen und z.B. den günstigeren Sommerpreis mitnehmen.

 

Dieser Tipp für Sparfüchse ist ein hervorragender Interview-Abschluss. Vielen Dank für das Gespräch!

 

Pelletslogistik

Silvia Schütze und Daniel Sommer, Pelletslogistik.
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Silvia Schütze, Pelletslogistik
Daniel Sommer, Pelletslogistik